Paraguay-Gabi

auf ins Abenteuer Paraguay!

Ein bissiger Tag

DE 30.12.2017 14:33
PY 30.12.2017 10:33

‏Diesmal hat Gabi mir ….Gitti….die Schreiberei überlassen, denn folgende Begebenheit passiert nicht jeden Tag.

 

Vergangenen Dienstag kommt nachmittags der kleine Sohn Nico meines Arbeiters ganz aufgeregt zu mir und sagt, dass wir sofort ins Hospital fahren müssen, weil sein Papa von einer Schlage gebissen wurde.

 

Bei so einer Nachricht überschlägt sich natürlich erstmal der Puls.

 

Als ich dort am Haus ankam, hatte der Arbeiter ganz glasige Augen und war total rot im Gesicht  und er stöhnte vor Schmerzen. Zusammen sind wir dann ins Hospital gefahren, was Gott sei Dank nur zwei Straßen weiter liegt.

 

 

Unterwegs erzählt mir Perla, die Frau meines Arbeiters,  dass es eine giftige Schlange ist, die Faustino, meinen Arbeiter bei Holzarbeiten in den Handrücken gebissen hat. Perla hatte schnell reagiert und hat mit einer Plastiktüte oberhalb des Handgelenkes den Arm abgebunden. Ich trau mich fast zu schreiben, dass es wahrscheinlich ihrem Mann das Leben gerettet hat.

 

In der Klinik angekommen, ging es erstmal in die Notaufnahme. Er musste sich auf eine Liege legen, die mit kaputtem Kunstleder überzogen war und nicht einmal vorher gereinigt wurde, denn wir sahen noch, wie der vorhergehende Patient darauf gelegen hatte…. Also Augen zu und durch….Faustino wurde befragt, welche Schlange es wohl war…..eine Urutu. Eine, der drei giftigsten Schlangen in Paraguay.

 

 

Eine ganz pfiffige Krankenschwester, der man unterm Gehen die Schnürsenkel binden konnte, gab Faustino dann eine Infusion, versetzt mit einem Gegengift. Allerdings fehlten noch zusätzliche Medikamente, die das Hospital aber nicht vorrätig hatte. Ein Ärztin kam und sagte zu Perla, dass die Medikamente aus dem 25 km entfernten Paraguari, Bezirkshauptstadt geholt werden müssen und Perla mit einem Krankenwagen dorthin fahren solle.

Also gesagt, getan.

Nach eineinhalb Stunden kamen dann die wichtigen Medikamente zur Weiterbehandlung an.

 

Die Notaufnahme wäre normalerweise schon eine eigene Geschichte wert. In Deutschland unvorstellbar, unter welchen Umständen und mit welchen geringen Mitteln hier behandelt wird. Leider auch sehr unhygienisch. Ich sah in der Ecke eine Sauerstoffflasche stehen, total verrostet, aber sie tat ihre Dienste. Eine alte Dame musste an dieses Gerät angeschlossen werden und ich sah, wie ein Pfleger die Maske, die der Patientin über Mund und Nase gesetzt wurde, einfach vom Vorgänger entfernt, dann unter fließendem Wasser mit den Fingern gesäubert, und dann nur noch mit einem Tuch ausgewischt wurde. Mit diesem Handtuch hatte sich jeder der dort arbeitete schon ein paar mal die Hände abgetrocknet.

 

 

Perla und ich mussten eine Dame aus dem Labor holen, die Faustino Blut für eine Analyse abnehmen sollte. Es war nur einen Gang weiter, aber zwischen den beiden Abteilungen waren drei Arbeiter dabei, den Putz von den Wänden abzuschlagen. Der ganze Gang war voller Maurerstaub. Die Luft war so voller Staub, man konnte kaum atmen. Aber hier alles normal, wie soll man hier gesund werden?

 

Als wir mit der Dame vom Labor sprachen, sah ich einen für mich bekannten Raum. Ein kleiner Raum, in dem nur ein Ledersessel stand. Ich hatte letztes Jahr für die Frau eines Nachbarn Blut gespendet und das war genau dieser Raum. Als ich den damals verlassen hatte war mir klar, dass ich das erste und das letzte Mal hier in diesem Hospital Blut gespendet hatte.

 

 

 

Nach der Blutabnahme sagte die Ärztin, dass Faustino zur Beobachtung über Nacht hierbleiben müsste, denn es könne sein, dass sich noch mehr Gift verteilte und es ihm dann doch noch wieder schlechter ginge.

 

Somit konnte ich dann erstmal heimfahren.

 

Am nächsten Morgen um 7 Uhr rief ich Perla an, ob man schon weiss, wann und ob Faustino entlassen wird. Sie teilte mir nur mit, dass nochmal das Blut untersucht wird, sie aber schon seit eineinhalb Stunden auf Ergebnisse warten.

 

In den normalen Krankenhäusern Paraguays muss ein Familienangehöriger immer mit dabei sein und muss auch für die Verpflegung sorgen.

 

Ich fuhr dann um 7.30 Uhr ins Krankenhaus und und habe die Beiden in einem 5-Bett-Zimmer gefunden.

Wenn man es komfortabler haben will, dann muss man schon von Zuhause ein Leinentuch mitbringen, damit man nicht auf der blanken Kunststoffliege nächtigen muss.

 

Und obwohl Perla über Nacht im Hospital bleiben musste, gab es für sie dort keine Möglichkeit sich irgendwo hinzulegen. Also blieb dann nur, mit Faustino in einem Bett zu schlafen. Aber die beiden nahmen es mit Humor.

 

Für mich waren es interessante eineinhalb Tage einfach mal mitzuerleben, wie sie hier mit den einfachsten Mittel versuchen Leuten im Krankenhaus zu helfen.

 

Meinem Arbeiter ist wieder Zuhause und es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er darf 14 Tage nicht arbeiten und muss einen Monat lang Schmerzmittel und Antibiotika nehmen. Übrigens Schlangenbisse sollen sehr schmerzhaft sein.

 

Hiermit ein großes Lob an Perla, die sehr schnell reagiert hat und somit das Schlimmste vermeiden konnte.

 

One Thought on“Ein bissiger Tag

  1. ein wirklich bissiger Tag besonders auch mir dem knallharten Drumherum aber soooooo wichtig zu LESEN und Hautnah zu erfahren .
    ob Milva das Alles schon kannte als sie : wie stark ist der Mensch !!
    in die Hitparaden brachte ?
    und mit Bothrops alternatus – Lanzenotter ist nicht gut zu Scherzen !!!!

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